1157_Glocken_TiggesIm Lärm und beim Geräuschpegel heutiger Zeiten wird vieles nicht mehr wahrgenommen. Aber vielleicht haben Sie sich zwischendurch doch schon einmal gefragt, warum mitten in der Woche „plötzlich“ die Glocken unserer Kirche läuten und was dieses Läuten wohl zu bedeuten hat.

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Vieles rührt aus alter Zeit, als die Menschen draußen auf den Feldern noch keine Armbanduhren oder Smartphones in der Tasche hatten. Da erinnerte das Glockengeläut (teilweise alle 15 Minuten) an die Uhrzeit, an die Mittagszeit oder den Feierabend.

Bei uns gibt die Stundenglocke heute noch zu jeder halben Stunde einen und zu jeder vollen die entsprechende Anzahl an Stundenschlägen an.

Samstags dann, von 17:45 bis 18:00 Uhr, läuten die drei Hauptglocken den Sonntag ein. Früher war das ein Zeichen, die Arbeit zu beenden und sich auf den Sonntag einzustimmen.

Am Sonntagmorgen rufen unsere Glocken im Regelfall von 09:45 bis 10:00 Uhr die Gläubigen zum Gottesdienstbesuch. In den diesjährigen Sommerferien verschob sich das Läuten um eine Stunde, weil die Gottesdienste ja auch erst um 11:00 Uhr begannen. In anderen Gemeinden läutet es sonntags sogar schon um 09:00 Uhr – ein Signal dafür, dass man jetzt noch eine Stunde Zeit hat, bis der Gottesdienst beginnt. Je nach Windverhältnissen kann man dann in Heidenoldendorf relativ deutlich die Glocken aus der Stadt oder aus Pivitsheide hören.

Wenn es unter der Woche von 11:45 bis 12:00 Uhr läutet, hat uns die Nachricht erreicht, dass ein Mitglied unserer Gemeinde verstorben ist. Glockengeläut um 10:25 oder 11:55 bzw. um 13:25 oder 14:55 Uhr zeigt an, dass sich gerade ein Trauerzug aus unserer Gemeinde von der Kapelle auf dem Friedhof Kupferberg zur letzten Ruhestätte des Verstorbenen begibt.

Glockenläuten zu anderen Zeiten zeigt jeweils 10 bis 15 Minuten vorher auch wieder den Beginn eines Gottes- dienstes aus besonderem Anlass an (z.B. Hochzeit, Schulgottesdienst o.Ä.). Und natürlich läuten alle unsere Glocken am 1. Januar um 00:00 Uhr das neue Jahr ein.

Übrigens: Die kleine Stundenglocke stammt noch aus der alten Kapelle und tut schon seit 1473 ihren Dienst. Die drei großen Glocken wurden im Jahr 1958 angeschafft und läuten seit der Einweihung unserer Kirche. Jede dieser unterschiedlich großen Glocken hat ihre eigene Inschrift und Bedeutung: Die kleinste von ihnen trägt die Inschrift „Er ist unser Friede“ und wird bei jeder Versammlung am Sarg und am offenen Grab benutzt. Die mittlere trägt die Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“. Sie ist dafür vorgesehen, denn Sonntag einzuläuten. In die größte der drei Glocken gravierte der Glockenbauer den Anfang des Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort“. Sie wird daher auch „Johannes-Glocke“ genannt und trägt mit ihrem Geläut zum Vollklang bei. (rk)

 

(Historische Quelle: Karl Schreck. Geschichte der Kapellen- und Kirchengemeinde Heidenoldendorf. 1988)